{"id":1042,"date":"2019-02-20T09:04:08","date_gmt":"2019-02-20T08:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/?page_id=1042"},"modified":"2021-09-15T10:05:54","modified_gmt":"2021-09-15T08:05:54","slug":"test","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/?page_id=1042","title":{"rendered":"Dankesworte"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<h3><a href=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1198 alignnone\" src=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2-640x367.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2-640x367.jpg 640w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2-768x440.jpg 768w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2-1024x587.jpg 1024w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte2.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3><strong><br \/>\nDankesworte des Preistr\u00e4gers: Pr\u00e4lat Peter Kossen<\/strong><\/h3>\n<p>Herzlich danke ich der B\u00fcrgerstiftung Cloppenburg und der Kirchengemeinde St. Andreas f\u00fcr die Verleihung des Vikar-Henn-Preises und f\u00fcr die damit verbundene Anerkennung! Herrn Prof. Dr. Uwe Meiners danke ich f\u00fcr die Laudatio! Und ich kann Ihnen versprechen, dass ich auch zuk\u00fcnftig nicht schweigen werde.<br \/>\nIch will, dass die \u00d6ffentlichkeit aufmerksam wird und realisiert, wieviel im Nordwesten im Argen ist. Die Sklaverei muss in dieser Region ein Ende haben! Schwere Arbeitsausbeutung hat hier System. Darum braucht es den Systemwechsel! Der Missbrauch der Werkvertrags- und Leiharbeit zum Zweck von Lohn- und Sozialdumping ist wie ein Krebsgeschw\u00fcr, das seinen Ausgang genommen hat von der Fleischindustrie und mittlerweile die Metallindustrie, die Logistik und viele andere Branchen befallen hat. Es geht dabei keineswegs um Flexibilisierung, sondern um primitive Lohndr\u00fcckerei und das Absenken von Sozialstandards! Mit Selbstverpflichtungserkl\u00e4rungen soll der Eindruck erweckt werden, als ob bereits Fortschritte erzielt worden seien. Die Realit\u00e4t zeigt aber, dass Ausbeutung, Menschenschinderei und Lohndr\u00fcckerei unvermindert fortgef\u00fchrt werden. Menschen werden benutzt, verschlissen und dann entsorgt &#8211; wie Maschinenschrott: Wegwerfmenschen! Moderne Sklaverei ist die Realit\u00e4t. Die Beh\u00f6rden und Kommunen schauen machtlos zu. Es mangelt an der Durchsetzung von Recht und Gesetz. Frauen und M\u00e4nner aus Rum\u00e4nien, Bulgarien, Polen\u2026 sind in solchen Strukturen Arbeitnehmer dritter Klasse, eine \u201eGeisterarmee\u201c: Arbeitskr\u00e4fte ohne Gesicht, ohne Namen und Geschichte. Wer nicht den Mut hat, das System zu wechseln, die Sklavenhalter ins Gef\u00e4ngnis zu bringen und die Arbeiter in Festanstellung, der wird immer nur an den Symptomen herumdoktern, aber nie das \u00dcbel beseitigen. Dies ist durch nichts zu rechtfertigen! Das EU-Aufenthaltsrecht, kombiniert mit Hartz IV (\u201enur der Mensch in Arbeit hat Recht auf Aufenthalt und Bezug von Sozialleistungen\u201c) wird f\u00fcr viele EU-B\u00fcrger aus Rum\u00e4nien und Bulgarien zur Falle, weil sie gezwungen sind, notfalls auch ausbeuterische Job-Angebote in der Fleischindustrie, auf dem Bau oder bei den Paketzustellern anzunehmen. Frauen sind aus diesem Grund leicht Opfer von Zwangsprostitution. \u201eFleisch ist Fleisch\u201c und das eine wird so ver\u00e4chtlich behandelt und gehandelt, wie das andere \u2013 mit dem Unterschied, dass Tierhandel und Tierhaltung st\u00e4rker reguliert ist.<br \/>\nZur Ausbeutung kommt die Unterbringung in gesundheitsgef\u00e4hrdenden Wohnungen, und das oft zu Wuchermieten. Die aktuell auftretende Tuberkulose haben manche Arbeitsmigranten vielleicht mitgebracht. Aber den Ausbruch der Krankheit und t\u00f6dlichen Verlauf beg\u00fcnstigen die erb\u00e4rmlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wenn in Garrel \u00fcber den geeigneten Ort f\u00fcr Betriebswohnungen gestritten wurde, dann muss man doch sagen: Die Leute kommen nicht erst noch. Die sind schon lange da, nicht selten mit Familie! Erzieherinnen erz\u00e4hlen mir von verst\u00f6rten, ver\u00e4ngstigten und geschw\u00e4chten Kindergartenkindern, die in solchen Verh\u00e4ltnissen leben und aufwachsen. Manche verschlafen fast den ganzen Kindergartentag, weil sie nachts in den Unterk\u00fcnften Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch und auch Prostitution miterleben. Wer diese Wirklichkeit in unserer Heimat hinnimmt oder sogar rechtfertigt, verr\u00e4t die Ideale eines Vikar Henn und eines Bischof von Galen. Ich bin \u00fcberzeugt: Eine Gesellschaft, die solches zul\u00e4sst, zerst\u00f6rt das Leben dieser Menschen und letztlich auch sich selbst. Die Region kann technisch hoch entwickelt sein wie das Oldenburger M\u00fcnsterland. Wenn ihr die Solidarit\u00e4t und das Bewusstsein f\u00fcr die unver\u00e4u\u00dferliche W\u00fcrde eines jeden Menschen verloren gegangen ist, verliert sie ihre Kultur: die Wurzeln, aus denen sie lebt. Wer gegen\u00fcber dem Menschen gleichg\u00fcltig ist, der ist es auch gegen\u00fcber den Tieren und der Natur. &#8211; Ein Sumpf von kriminellen Subunternehmern und dubiosen Leiharbeitsfirmen wird genutzt, um Lohnkosten zu dr\u00fccken und Unternehmer-Verantwortung abzuw\u00e4lzen. Wenn der Wernsing-Konzern immer schon ohne Werkvertragsarbeiter auskommt und \u201eB\u00f6seler Goldschmaus\u201c die Arbeiter angestellt hat und ihnen Wohnungen baut, warum dann nicht T\u00f6nnies, Heidemark, Sprehe, Plukon, Wiesenhof, Westfleisch, Vion und Danish Crown, die EW-Group, die Meyer-Werft??<br \/>\nDas \u201eDeutsche Institut f\u00fcr Menschenrechte\u201c hat einen Bericht f\u00fcr den Deutschen Bundestag erstellt zur aktuellen Entwicklung der Menschrechtssituation in Deutschland. Darin hei\u00dft es:<br \/>\n\u201eArbeitsmigrant*innen erleben hier trotz gesetzlicher \u00c4nderungen und ausgebauter Unterst\u00fctzungsstruktur nach wie vor schwere Ausbeutung, beispielweise auf dem Bau, in der fleischverarbeitenden Industrie, der Pflege oder Landwirtschaft. Das hei\u00dft, sie arbeiten letztlich f\u00fcr zwei bis drei Euro die Stunde, mit vielen \u00dcberstunden und ohne soziale Absicherung. Ein zentrales Problem: Sie k\u00f6nnen ihr Recht auf Lohn ganz h\u00e4ufig nicht durchsetzen. Fehlende Sprach- und Rechtskenntnis, Abh\u00e4ngigkeit vom Arbeitgeber, fehlende Beweismittel sowie ein erschwerter Zugang zu Beratung f\u00fchren zu einer strukturellen Unterlegenheit gegen\u00fcber den Arbeitgebern, die durch bestehende einzelne rechtlichen Instrumente nicht ausgeglichen werden kann. Es braucht ein effektives Gesamtkonzept, mit dem der Staat seine grund- und menschenrechtliche Verpflichtung umsetzt, Betroffenen effektiven Zugang zum Recht zu gew\u00e4hren.\u201c<br \/>\nAm 4. Januar habe ich mit einigen Fachleuten und Engagierten den Verein \u201eAktion W\u00fcrde und Gerechtigkeit\u201c gegr\u00fcndet. Wir wollen Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa stark machen und so dazu beitragen, dass ihre Integration gelingt. W\u00fcrde und Gerechtigkeit wird ihnen, wie im Menschrechtsbericht deutlich wird, oft vorenthalten. Das deutsche Arbeitsrecht geht davon aus, dass die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten Sache des Besch\u00e4ftigten ist. Das ist leider weit weg von der Wirklichkeit. Eine Unterst\u00fctzung durch Betriebsr\u00e4te oder Gewerkschaften wird vorausgesetzt. Bei mobilen Besch\u00e4ftigten kommt diese Unterst\u00fctzung aber gar nicht zum Tragen. Betriebsr\u00e4te und Gewerkschaften sind f\u00fcr Werkvertrags- und Leiharbeiter nicht vertretungsberechtigt. Arbeitsmigranten in einem bestehenden Arbeitsverh\u00e4ltnis k\u00f6nnen ihre vorenthaltenen Anspr\u00fcche kaum geltend machen. Sie haben begr\u00fcndete Angst vor dem Jobverlust und vor den Kosten eines Rechtsstreits. Dieses Ausgeliefertsein und die faktische Unm\u00f6glichkeit der Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten macht die Werkvertrags- und Leiharbeit so attraktiv f\u00fcr gewissenlose Manager und Menschenh\u00e4ndler und so anf\u00e4llig f\u00fcr gnadenlose Ausbeutung. Der neugegr\u00fcndete Verein wird u. a. durch ein Netzwerk von Juristen und juristisch geschulten Ehrenamtlichen den Rechtsweg f\u00fcr Arbeitsmigranten leichter zug\u00e4nglich machen. Das beginnt damit, dass Antr\u00e4ge bei Gericht f\u00fcr Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe \u00fcbersetzt und Menschen, die kein Deutsch sprechen, bei der Antragstellung unterst\u00fctzt werden. Juristische Beratung und Vertretung auch vor Gericht soll dadurch leichter zug\u00e4nglich werden. Das mit der Verleihung des Vikar-Henn-Preises verbundene Preisgeld kommt dem Verein \u201eAktion W\u00fcrde und Gerechtigkeit\u201c zugute. Der Verein ist als gemeinn\u00fctzig anerkannt. Durch Mitgliedschaft oder Spenden k\u00f6nnen Sie die Arbeit des Vereins unterst\u00fctzen.<br \/>\nIn der Ern\u00e4hrungsindustrie gibt es auch solche Unternehmen, die ihre Verantwortung wahrnehmen. Die m\u00fcssen wir stark machen! Die Landesregierung hat bei \u201eB\u00f6seler Goldschmaus\u201c ein wichtiges Zeichen gesetzt. Auch die Konsumenten k\u00f6nnen ein Zeichen setzen, wenn sie die Produkte der Sklaventreiber in den Regalen liegenlassen und durch ihre Kaufentscheidung faire Arbeitsbedingungen belohnen. Was ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Ausbeutung und Abzocke, wie sie in der Fleischindustrie, bei den Paketdiensten, im Schiffsbau und anderen Branchen hier in der Region allt\u00e4glich ist, muss durch die \u00d6ffentlichkeit ge\u00e4chtet und durch den Boykott von Seiten der Kunden und Konsumenten bestraft werden! Wir sollten Ernst Henn und Clemens August Graf von Galen nicht ins Museum stellen und ihr Leben nicht wie eine Monstranz vor uns hertragen, sondern den Mut haben, heute f\u00fcr das Leben, f\u00fcr die Sch\u00f6pfung und f\u00fcr Menschenw\u00fcrde einzutreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dankesworte des Preistr\u00e4gers: Pr\u00e4lat Peter Kossen Herzlich danke ich der B\u00fcrgerstiftung Cloppenburg und der Kirchengemeinde St. Andreas f\u00fcr die Verleihung des Vikar-Henn-Preises und f\u00fcr die damit verbundene Anerkennung! 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