{"id":1053,"date":"2019-02-20T09:47:13","date_gmt":"2019-02-20T08:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/?page_id=1053"},"modified":"2019-02-24T12:20:00","modified_gmt":"2019-02-24T11:20:00","slug":"laudatio","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/?page_id=1053","title":{"rendered":"Laudatio"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Laudatio und \u00dcberreichung des Vikar-Henn-Preis 2019<br \/>\nvon Prof. Dr. Uwe Meiners<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1197\" src=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5-640x438.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5-640x438.jpg 640w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5-768x526.jpg 768w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/buergerstiftung-clp.org\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/slide-projekte5.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Prof. Dr. Uwe Meiners<\/h6>\n<p><strong>Laudatio Pfarrer Peter Kossen<\/strong><br \/>\nanl\u00e4sslich der Verleihung des Vikar-Henn-Preises am 18. Februar 2019 im Dienstgeb\u00e4ude des Landkreises Cloppenburg<\/p>\n<p><strong>von Uwe Meiners<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind hier heute zusammengekommen, um einen Menschen zu w\u00fcrdigen. Einen Menschen, dessen Name f\u00fcr Verantwortung, f\u00fcr Gerechtigkeit, f\u00fcr christliche N\u00e4chstenliebe steht. F\u00fcr die Sorge um das, was sich punktuell in unserer heimischen Gesellschaft tut \u2013 oder auch nicht tut. Sein Name ist:<br \/>\nPeter Kossen, derzeit Pfarrer in Lengerich in Westfalen, bis 2017 Offizialatsrat im Bisch\u00f6flichen Offizialat Vechta, st\u00e4ndiger Vertreter des Offizials f\u00fcr\u00a0 den oldenburgischen Teil des Bistums M\u00fcnster.<br \/>\nPeter Kossen ist ein Kind des Oldenburger M\u00fcnsterlands. Er kommt aus der Region, er kennt die Region. Er wei\u00df um die Menschen, die hier leben, wohnen und arbeiten. Und sorgt sich um die, die mehr am Rande der Gesellschaft stehen. Um Menschen, die hier arbeiten, weil es hier Arbeit gibt und Unternehmen sie brauchen. Viele dieser Menschen kommen aus Rum\u00e4nien und Bulgarien, einige auch aus Polen, der Slowakei und den baltischen L\u00e4ndern.<br \/>\nArbeitsmigranten, also Menschen zweiter Klasse? Mitunter in den Augen derer, die an den Schalthebeln von problematischer Arbeitsvermittlung und bedenkenloser Gewinnmaximierung sitzen. Wohlstand f\u00fcr alle \u2013 ja sch\u00f6n, aber auf Kosten derjenigen, die ihre Arbeitskraft einbringen, schlecht daf\u00fcr bezahlt und menschenunw\u00fcrdig untergebracht werden? Ein Thema, so alt wie die Menschheit selbst, selbst biblisch mehrfach festgehalten. Manche sprechen von Ausbeutung, andere von moderner Sklaverei. Es gibt sie \u00fcberall auf diesem Erdball.<br \/>\nUnd wer hier von au\u00dfen mit dem medial-moralischen Zeigefinger auf das Oldenburger M\u00fcnsterland weist, sollte bedenken, dass drei der eigenen Finger auf ihn selbst deuten, dass die mitunter menschenunw\u00fcrdig bis ausbeuterischen Begleiterscheinungen moderner Arbeitsmigration auch an anderen Orten dieser Welt vorkommen, in S\u00fcdtirol zum Beispiel, dort aber weniger gravierend gedeutet werden, weil das Pfl\u00fccken von \u00c4pfeln in warmer Herbstsonne positiver wahrgenommen wird als das Zerlegen von get\u00f6teten Tieren in Schlachth\u00e4usern, deren Inneres die meisten von uns noch nicht einmal gesehen haben, geschweige denn in ihnen t\u00e4tig gewesen sind.<br \/>\nEs ist gut und wichtig gewesen, dass Peter Kossen mit seinem mutigen Eintreten f\u00fcr Belange der Arbeitsmigranten und Vertragsarbeiter nicht ganz alleine steht. Zum einen sind es die Medien, die es dankenswerterweise f\u00fcr berichtenswert halten, dass ein Mensch der Region, ein Geistlicher aus unserem Umfeld, Missst\u00e4nde in dieser Region anprangert und damit an unser aller Gewissen appelliert. Der dem Wegschauen ein Veto entgegensetzt, dem \u201eWeiter so\u201c Paroli bietet. Und dabei nicht nur Beifallsst\u00fcrme erntet. \u201eEin St\u00f6renfried, ein Nestbeschmutzer\u201c, sagen diejenigen, die sich gest\u00f6rt f\u00fchlen, in ihrem ausgekl\u00fcgelten System der Gewinnabsch\u00f6pfung, auf der Basis von Nahrungs- und Lebensmittelproduktion, gesetzlich vielleicht legal, moralisch und ethisch indes mehr als bedenklich.<br \/>\nIn dieser Situation setzt zum anderen die B\u00fcrgerstiftung Cloppenburg ein Zeichen. In Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde St. Andreas lobt sie erstmals den mit 2.500,- \u20ac dotierten Vikar-Henn-Preis f\u00fcr Zivilcourage aus. Ausgezeichnet werden soll eine Person, Gruppe oder Institution, die sich im Alltag mutig gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Unterdr\u00fcckung oder f\u00fcr die Gerechtigkeit engagiert. Zugleich damit einen Beitrag gegen das Vergessen leistet und an das Unrecht erinnert, das Millionen Menschen w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus widerfahren ist.<br \/>\nErnst Henn, der dem Preis seinen Namen gibt, ist eine solche Pers\u00f6nlichkeit gewesen. Er war zwischen 1932 und 1939 Kaplan in Cloppenburg \u2013 und jemand, der nicht wegschaute, was in der Zeit zwischen 1933 und 1945 rasch lebensgef\u00e4hrlichen Charakter annehmen konnte. Als Reaktion gegen die Novemberpogrome klagte er im Rahmen seiner Predigten in der Cloppenburger St.-Josefs-Kirche die \u201egemeinen\u201c und \u201eniedrigen\u201c Verbrechend er Nationalsozialisten an. Danach galt er bei der NSDAP-Kreisleitung als \u201eder Gef\u00e4hrlichste unter den Cloppenburger Geistlichen\u201c, wurde verh\u00f6rt und ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Es folgte die Einberufung zur Wehrmacht, um ihm die M\u00f6glichkeit des Predigens zu entziehen. Als er am 11. April 1945 als Vikar in L\u00f6ningen die wei\u00dfe Fahne hisste, traf ihn ein Artilleriegeschoss. Er bezahlte sein Eintreten f\u00fcr Gerechtigkeit und Menschlichkeit mit dem Leben; posthum wurde\u00a0 er\u00a0 seitens der katholischen Kirche in\u00a0 das Verzeichnis der M\u00e4rtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen.<br \/>\nNun sollte diese Aufnahme nicht zum alleinigen Ma\u00dfstab f\u00fcr die Verleihung des Vikar-Henn-Preises durch die Cloppenburger B\u00fcrgerstiftung werden. Wir brauchen Sie noch, Herr Kossen. Als Stimme unseres Gewissens, gleichsam als nicht militante, aber wirkungsm\u00e4chtige \u201eSpeerspitze\u201c eines b\u00fcrgerlichen Behauptungswillens, der daf\u00fcr steht,\u00a0 dass die Menschen im Oldenburger M\u00fcnsterland (und auch anderswo) sich nicht allein als stromlinienf\u00f6rmige Kopfnicker begreifen, sondern ihrem Anspruch als ethisch-moralische und humanistisch-christliche Instanz gerecht werden.<br \/>\nVor kurzem, meine Damen und Herren, durfte ich der Predigt eines\u00a0 evangelischen Amtskollegen lauschen. Biblische St\u00fctze seiner Ausf\u00fchrungen war die Geschichte vom brennenden Dornbusch, genau jenem Dornbusch, \u00fcber den Gott zu Moses Kontakt aufnahm. Und Ihm damit Verantwortung \u00fcbertrug. F\u00fcr das Volk Israel, f\u00fcr seine R\u00fcckf\u00fchrung aus der \u00e4gyptischen Knechtschaft, zur\u00fcck ins gelobte Land. Wahrlich keine leichte Aufgabe. Dem Auserw\u00e4hlten war klar, dass ihm diese Verantwortungs\u00fcbernahme zugleich Verdruss, Kritik und Anfeindungen nicht zuletzt unter den eigenen Leuten einbringen w\u00fcrde.<br \/>\nWer zur Verantwortung steht, dabei genauer hinschaut und Erschautes \u00f6ffentlich macht, handelt sich in aller Regel \u00c4rger mit dem Establishment ein \u2013 und mit denjenigen Akteuren, die es irgendeiner Form tragen oder st\u00fctzen. Sich f\u00fcr Gerechtigkeit im Stile Peter Kossens einzusetzen, bedeutet nicht nur, den Schwachen und Bed\u00fcrftigen zur Seite zu stehen, sondern auch, den vermeintlich St\u00e4rkeren und M\u00e4chtigen auf die F\u00fc\u00dfe zu treten.<br \/>\nVerantwortung zu \u00fcbernehmen, sie zu zeigen und ihr Geh\u00f6r zu verschaffen, wirbelt Staub auf: den Staub des Vergessens und des Wegschauens, l\u00e4sst die Modrigkeit von Lethargie und Tr\u00e4gheit sp\u00fcrbar werden. Geh\u00f6rt letztere nicht zu den sieben Tods\u00fcnden der Menschheit? Eines wird man Ihnen, verehrter Herr Kossen, nicht nachsagen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich tr\u00e4ge zu sein. Sie haben sich f\u00fcr den Beruf des katholischen Priesters entschieden \u2013 und mit dieser Wahl haben Sie sich zugleich f\u00fcr die Seelsorge der Menschen und damit gegen moralisch-ethische Tr\u00e4gheit ausgesprochen.<br \/>\nGeboren am 12. Dezember 1968 in Wildeshausen, zu F\u00fc\u00dfen der ehrw\u00fcrdigen Alexanderkirche, wuchsen Sie in Visbek-Rechterfeld auf, machten Ihr Abitur und nahmen anschlie\u00dfend Ihr Studium der Theologie und Philosophie an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t in M\u00fcnster auf. Dort h\u00e4tten wir uns vielleicht seinerzeit begegnen k\u00f6nnen; in Rom w\u00e4re es uns nicht verg\u00f6nnt gewesen, wo Sie n\u00e4mlich an der p\u00e4pstlichen Universit\u00e4t Gregoriana Vorlesungen h\u00f6rten und Seminare besuchten. Nach dem Gemeinde- und Diakonatsjahr in St. Johannes in Recklinghausen-Suderwick wurden Sie 1996 zum Priester geweiht, ihre erste Kaplanzeit verbrachten Sie in Nordwalde und M\u00fcnster, u. a. in der Obhut ihres Pfarrers\u00a0 Bernd Strickmann. Ab 2004 waren Sie Pfarrer in Emmerich am Niederrhein, \u00fcberaus gesch\u00e4tzt und beachtet, und nur ungern lie\u00df man Sie wieder nach Vechta ziehen, wo Sie als St\u00e4ndiger Vertreter des Offizialats f\u00fcr\u00a0 den nieders\u00e4chsischen Teil des Bistums M\u00fcnster, den Offizialatsbezirk Oldenburg, wirkten. Und dort, und zwar in Angelegenheiten des regionalen privatwirtschaftlichen wie arbeitsvertraglichen Umgangs mit s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Arbeitsmigranten, gleichsam wie der ungl\u00e4ubige Thomas den Finger in die Wunde legten, um damit sich selbst, vor allem aber den Zweiflern und Wegschauenden, die Augen zu \u00f6ffnen. Im Sinne christlicher Verantwortung und N\u00e4chstenliebe.<br \/>\nEs ist beileibe kein Zufall gewesen, dass Sie zum Monsignore und zum Offizialatsrat benannt wurden. Dass Sie bereits seit 2000 Mitglied des Priesterrats sind, seit 2013 zum Vorsitzenden des Landes-Caritasverbandes ernannt wurden und zugleich Subsidiar in St. Gertrud in Lohne wurden. Dort hielten Sie am 11.\/12 August und 10.\/11. November 2012 bemerkenswerte, aufr\u00fcttelnde Predigten, von denen ich selbst bis dato eigenartigerweise keine Kenntnis hatte, bis mir meine Frau k\u00fcrzlich, so nebenbei beim Lesen eines Kriminalromans von Wolfgang Schorlau mit dem Titel \u201eAm zw\u00f6lften Tag\u201c, davon berichtete. Dem Sie freundlicherweise Ihre Predigttexte zur Verf\u00fcgung stellten und so einen literarischen Multiplikator in der Sache gewannen.<br \/>\nDass Sie zum Jahresbeginn 2017 als Pfarrer nach Lengerich wechselten, wird die Westfalen gefreut haben. Mich hat\u2019s ein wenig traurig gemacht, weil damit unserer Region ihre kr\u00e4ftige Stimme des Gewissens ein bisschen abhanden gekommen ist, aber doch nicht ganz, wie sich anl\u00e4sslich des k\u00fcrzlich stattgefundenen Besuchs des Nieders\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Stefan Weil in einem s\u00fcdoldenburgischen Schlachtbetrieb zeigte. Sie waren dabei, und die M\u00fcnsterl\u00e4ndische Tageszeitung zitierte sie mit den Worten, dass zumindest hier ein lobenswerter Systemwechsel stattgefunden habe \u2013 ein Schritt in die bessere, in die richtige Richtung. Das l\u00e4sst f\u00fcr die Zukunft hoffen.<br \/>\nDas Oldenburger M\u00fcnsterland ist Ihre und unsere Heimat. Auch meine ist sie ein St\u00fcck weit geworden. Um wie viel mehr sollte sie f\u00fcr Menschen auch ein Ort des Sich-Wohlf\u00fchlens und Respektiert-Werdens sein, f\u00fcr Menschen, die um der Arbeit willen hierher kommen, aus Sorge um ihren Lebensunterhalt, den sie in ihrer angestammten Heimat nicht finden k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00c4hnlich wie seinerzeit unsere m\u00fcnsterl\u00e4ndischen Hollandg\u00e4nger, die (beginnend vor mehr als dreihundert Jahren) Jahr f\u00fcr Jahr in die reichen Niederlande zogen, um sich dort als Kanalarbeiter, Torfgr\u00e4ber und Grasm\u00e4her zu verdingen. F\u00fcr geringe Lohnarbeit, in der Hoffnung auf Besserung ihrer Lebensumst\u00e4nde, wie einst die Bremer Stadtmusikanten, denen die Wanderschaft um Lohn und Brot \u2013 und nichts anderes ist der historische Hintergrund dieses M\u00e4rchens \u2013\u00a0 allemal besser als der Tod erschien. Saisonale Migration, um eine Verg\u00fctung f\u00fcr schwere Lohnarbeit zur erhalten. F\u00fcr oftmals krank machende Lohnarbeit, die den Hollandg\u00e4ngern schon etwas f\u00fcr die eigene Tasche \u00fcbrig lie\u00df, aber f\u00fcr Arbeit eben, welche die meisten niederl\u00e4ndischen Zeitgenossen ablehnten oder ablehnen konnten, weil sie ihr Auskommen durch das Verrichten angenehmerer und weniger die eigene Gesundheit beeintr\u00e4chtigende Arbeiten sicherstellen konnten.<br \/>\nDie Hollandg\u00e4ngerei der in den Niederlanden sp\u00f6ttisch als \u201eHannekemaiers\u201c bezeichneten Menschen aus dem Oldenburger M\u00fcnsterland ist Geschichte, die Arbeitsmigration der Menschen aus Rum\u00e4nien und Bulgarien Gegenwart. Die Fronten haben gewechselt, die soziale Problematik, der humanit\u00e4re Respekt und die Frage nach der Achtung vor der W\u00fcrde des Menschen nicht. Zu uns kommen Menschen, die ihre Arbeit verrichten \u2013 und schon aus diesem Grunde W\u00fcrde und Respekt verdienen. Wie es Peter Kossen f\u00fcr diese Menschen eingefordert hat, als Mensch, als Seelsorger, als Mann der Kirche. Vielleicht f\u00e4llt diesen M\u00e4nnern und Frauen \u2013\u00a0 wieder einmal \u2013 besondere Verantwortung zu. In einer utilitaristisch gepr\u00e4gten Gesellschaft, in der leider die \u00d6konomie die Moral dominiert, brauchen wir den R\u00fcckhalt der Kirchen. Denn wer au\u00dfer sie legitimiert uns zum mutigen Eintreten f\u00fcr Gerechtigkeit und N\u00e4chstenliebe. Sie sollten, ja m\u00fcssen sich einmischen, gerade hier und heute, und nicht wegschauen oder den Kopf einziehen.<br \/>\nWie es die meisten Menschen in der Zeit des schw\u00e4rzesten Kapitels deutscher Geschichte getan haben. Indem sie sich kritiklos anpassten, mitschwammen im gro\u00dfen Strom der Jasager, in der politischen Meinung, aber viel schlimmer noch im Alltag, in der stillschweigenden Duldung von Diskriminierung und Entrechtung, bis hin zur Tolerierung von Beraubung und Ermordung von Mitmenschen, nur weil sie j\u00fcdischen Glaubens waren.<br \/>\nAlles Geschichte? Oder vielleicht doch alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen? Die Metapher verharmlost das \u00fcberwunden Geglaubte. Xenophobie, die latente Angst der Menschen vor dem Fremden und Andersartigen, ist der offenbar nie versiegende N\u00e4hrboden, der Steigb\u00fcgelhalter f\u00fcr den zur\u00fcckgekehrten Nationalismus und Rechtspopulismus. Die Zustimmung in manchen Teilen der Bev\u00f6lkerung daf\u00fcr w\u00e4chst, schleichend bis dynamisch, und das nicht nur vor unserer Haust\u00fcr, sondern \u00fcberall in Europa und der Welt. Migranten und Gefl\u00fcchtete werden bar jeder objektiven Grundlage zu den personifizierten Verursachern von Benachteiligung und \u00dcberfremdung ernannt, die angestammte Heimat dagegen als Zufluchtsort f\u00fcr das vermeintlich Eigene, Urspr\u00fcngliche, Nat\u00fcrliche auserkoren. Heimatministerium, Heimatschutz, Heimatfront \u2013 ein an sich harmloser Begriff wie Heimat wird von etlichen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern wieder einmal ideologisch instrumentalisiert, als abgeschirmter Raum der Selbstzufriedenheit und partikularistisch-nationalistischer Interessen. Dabei ist ein Heimatbegriff, in dem Neulinge, Hinzugezogene oder Migranten nicht unterzubringen sind, nicht nur hochgradig intolerant sondern auch historisch absurd \u2013 nichts anderes als ein Missverst\u00e4ndnis der Geschichte!<br \/>\nWir alle sollten den Mut haben, dem schleichenden Mainstream zu widersprechen, im Alltag, im Gespr\u00e4ch mit den Nachbarn, in\u00a0 der eigenen Familie, \u00fcberall und zu jeder Gelegenheit. Hinschauen \u2013 und nicht wegschauen. Peter Kossen hat nicht weggeschaut. Obwohl es f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich sehr viel leichter gewesen w\u00e4re, und manche es sich wohl auch gew\u00fcnscht h\u00e4tten.<br \/>\nGut gemacht, Herr Pfarrer Kossen, und mehr als ein aufrichtiges \u201eDanke\u201c f\u00fcr Mut, Wachr\u00fctteln und Entschlossenheit, Monsignore. Zurecht sind Sie von der Jury mit dem Vikar-Henn-Preis ausgezeichnet worden, und ich gratuliere Ihnen dazu von ganzem Herzen!<br \/>\nUwe Meiners<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laudatio und \u00dcberreichung des Vikar-Henn-Preis 2019 von Prof. Dr. Uwe Meiners &nbsp; Prof. Dr. Uwe Meiners Laudatio Pfarrer Peter Kossen anl\u00e4sslich der Verleihung des Vikar-Henn-Preises am 18. 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