Wir wollen den Vikar-Henn-Preis mit Leben füllen

von Martin Kessens

Cloppenburg(kes).
„Wir wollen den Vikar-Henn-Preis mit Leben füllen und dadurch sichtbar machen, was Zivilcourage bedeutet“, sagte Schirmherr Johann Wimberg beim Startschuss zur Bewerbung um den Preis „WageMUT“ für Zivilcourage.

Verliehen werden soll er am Todestag des Widerstandskämpfers gegen die Hitler-Diktatur am 11. April nächsten Jahres. Vorgeschlagen werden können sowohl Einzelpersonen als auch Personengruppen und Institutionen, die sich mutig im Alltag gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Unterdrückung und für Gerechtigkeit engagieren.
Im Hinblick auf die Ergebnisse der Landtagswahl, hieße es sensibel zu werden und bleiben, um die Demokratie auch in Krisenzeiten zu stärken, betonte Wimberg. Alexander Rolfes, Vorsitzender der Bürgerstiftung, die auch Stifter des Preises ist, nahm besonders die Jugendlichen in Augenschein. „Gegen Hass und Hetze in den sogenannten sozialen Medien einzutreten, zeugt von großer Zivilcourage“, sagte er.
Auch Hubert Breuer, Kuratorium Bürgerstiftung, ermunterte vor allen Dingen Jugendlichen, sich in Zivilcourage zu üben und warb in Schulen und Sportvereinen für diesen Preis. „Was nützen die besten Ideen, wenn wir die Jugend nicht mit ins Boot holen“, sagte er. Dechant Bernd Strickmann, als Vertreter der Kirchengemeinde St.-Andreas, die in Kooperation mit der Bürgerstiftung den Preis auslobt, ließ krankheitsbedingt ein Statement verlesen. Im Gegensatz zur ersten Verleihung des Preises 2019, den Prälat Peter Kossen bekam, sei der Preis in diesen Zeiten lebensnotwendiger denn je, schrieb er, er stehe als Zeichen gegen die Verrohung in der Gesellschaft. „Ich bin überzeugt, dass Menschen dem Erbe Vikar Henns gerecht werden“, ließ er verlautbaren.
Professor Dr. Uwe Meiners, auch Schirmherr des Preises, erinnerte an die erste Verleihung und sprach von einem Gänsehautmoment, als der Name Peter Kossen fiel. Bürgerliches Engagement sei in unserer Gesellschaft geschätzt und ein wichtiges Zeichen, sagte er. Auch er appellierte besonders an die Jugendlichen, sich zu engagieren und ein deutliches Zeichen zu setzen und Mut zu zeigen anderen gleich zu tun.
Werner Nilles, Biograf zum Leben und Werk von Vikar Ernst Henn, ließ dessen Engagement noch einmal Revue passieren und betonte, wie gefährlich es damals gewesen sei, gegen das Naziregime aufzubegehren. „Ich kann mich nicht vor der Wahrheit drücken“, zitierte Nilles Vikar Henn, der in Cloppenburg als Kaplan und in Löningen als Vikar gewirkt hatte. Dort bewahrte er mit seinem mutigen Einsatz Löningen und besonders das Krankenhaus vor der Zerstörung beim Einmarsch der britischen Truppen.
Gekennzeichnet war Henns Wirken durch seine mutigen Predigten vor allen Dingen gegen die Judenverfolgung der Nazis. Das Anprangern der Verbrechen in der Reichspogromnacht wurde zu einem gefährlichen Höhepunkt für Henn, berichtete Nilles.
Schon bald war er den NS-Machthabern kein Unbekannter mehr, sondern ein unbequemer, gefährlicher Mahner. So kam es schon in den ersten Jahren der Nazi-Herrschaft zu Anzeigen, Verhören, Verwarnungen und Haftandrohungen durch die Gestapo. Deshalb müsse die Erinnerung an Vikar Ernst Henn aufrechterhalten bleiben, hieß es einmütig.

Vorschläge können bis zum 28. Februar 2023 an die Bürgerstiftung Cloppenburg z.Hd. Hubert Breuer eingereicht werden.
Kontakt: 0171 1739613
E-Mail: h.breuer@elektro-breuer.de 
E-Mail: info@buergerstiftung-clp.de
Für Vorschläge von Personen / Gruppen/ Institutionen als Preisträger
Sie möchten uns einen Vorschlag machen, hier können sie das Formblatt herunterladen.

Bild: Martin Kessens Werben für den Vikar-Ernst-Henn-Preis
Von links: Alexander Rolfes, Johann Wimberg, Prof. Dr. Uwe Meiners, Hubert Breuer, Werner Nilles

Die Idee des Preises.